die
wunderbaren
traeume des baeren
odin - tagtraum
1
dieses buch erzaehlt die geschichte von odin,
dem lieben kleinen honigbaer,
der den ganzen tag durch seinen wald streunte
und den alle tiere im wald kannten.
odin war aber kein gewoehnlicher baer,
der nur nach honig suchte und irgendwo faul im wald herumlag.
nein. er war ein baer der gerne von sachen traeumte,
die ein kleiner honigbaer eigentlich gar nicht macht.
er traeumte von grossen piratenschiffen und ritterturnieren,
zauberern und lokomotiven, von raumfahrern
und vielen anderen aufregenden und geheimnisvollen sachen.
aber seht doch am besten selbst ...
-
es war einmal ein kleiner baer namens odin,
der den lieben langen tag nichts anderes zu tun hatte als herumzutollen,
honig zu naschen und irgendwo faul unter einem grossen baum herumzuliegen
und davon zu traeumen jemand anderes zu sein.
an einem schoenen sonnigen tag, an dem odin durch den wald tobte, vorbei an
grossen,
saftig gruenen baeumen und bunten, kleinen zwischen den wurzeln der baeume
wachsenden pilzen,
dachte er daran, wie aufregend es doch wohl waere, ein pirat zu sein.
er stellte sich vor, mit einem bunten piratenkopftuch, einem weichen halstuch,
einer alten zerschundenen hose und dicken festen stiefeln auf einem abgebrochenen
baum zu sitzen,
faxen zu machen und grimassen zu schneiden.
doch was waere ein pirat ohne seinen piratensaebel, geschmueckt mit einem
bunten tuch?
der saebel ist natuerlich dafuer da, wilde tiere zu vertreiben und sich,
auf dem weg zum piratenschatz einen pfad durch den dicht bewachsenen wald
zu bahnen.
alle pflanzen auf dem weg zum schatz muessten damit zur seite geschafft werden,
damit sich die piraten auf ihrem weg an den aesten keine loecher in ihre hosen
reissen
oder ihre frisch geputzten stiefel verkratzen.
wenn die piraten die insel verlassen haben, werden die wege,
ueber die die piraten zu ihrem schatz gelangten im laufe der zeit wieder zuwachsen
und keinerlei spuren hinterlassen, um den platz des schatzes nicht zu verraten.
doch halt, was ist denn das? was fliegt denn so dicht ueber odins kopf hinweg?
ach so, es ist ein bunter, wunderschoener papagei.
ein vogel den man auf inseln findet, auf denen piraten ihre riesengrossen
schatzkisten aus holz,
mit eisernen beschlaegen und schanieren und ihrem kostbaren inhalt aus gold
und edelsteinen
irgendwo im sand oder vielleicht unter der wurzel eines grossen baumes vergraben.
und was ist das? da kommt doch tatsaechlich ein wundervoller,
bunt leuchtender schmetterling zu odin geflogen.
und welch schillernde farben seine kleinen fluegel tragen. rosa, rot, orange
und gelb.
als odin aus dem grossen segelschiff ausgestiegen und an den strand gelaufen
ist, stellt er fest,
dass er nicht der einzige pirat auf dieser insel zu sein scheint.
nein - da sind noch zwei andere kleine piraten die neben ihm am strand stehen.
odin ist nicht alleine gekommen.
denn wie soll auch ein so kleiner baerenpirat alleine ein so grosses piratenschiff
steuern.
nein, dafuer braucht man eine mannschaft die gemeinsam alle sachen und manoever
unter aufsicht und befehl eines kapitaens, eben kapitaen odin, erledigt und
ihrem kapitaen auch in der not,
wie zum beispiel einem grossen sturm mit viel wind und sehr, sehr grossen
wellen zur seite steht.
gemeinsam tragen die drei piraten die beiden, mit gold,
schmuck und edelsteinen schwer beladenen schatzkisten vom schiff herunter
an den strand.
sie klappen die kisten noch ein letztes mal auf, bevor sie sie gut verstecken,
um zu sehen ob noch alles vorhanden ist,
verschliessen sie anschliessend mit zwei grossen geschmiedeten schluesseln
und vergraben sie dicht am strand der insel neben einem grossen felsen.
danach fertigen sie eine genaue karte an und zeichnen die insel,
sowie alle wichtigen punkte wie auffallend grosse baeume, felsen und seen,
sowie einen kleinen wasserfall und eine sehr grosse hoehle ein
und was am wichtigsten ist, die genaue stelle an der der schatz versteckt
ist.
sie markieren diesen ganz besonderen ort mit einem grossen dicken kreuz auf
dem schatzplan.
anschliessend verstecken sie den plan an bord ihres piratenschiffes an einem
geheimen platz,
vielleicht wassergeschuetzt in einer flasche mit einem korken verschlossen
oder aber in einem hohlraum hinter einer extra
fuer solche geheimen dokumente vorbereiteten holzplanke.
den schatz auf diese sehr weit abgelegene insel im weiten ozean zu bringen,
war natuerlich nur mit einem grossen piratenschiff und einer guten besatzung
moeglich.
die in allen farben angefertigten segel des grossen piratenschiffes
brachten die kleinen piraten in wenigen wochen auf ihre im ozean liegende,
auf keiner seekarte eingezeichnete klitzekleine insel, von der sonst noch
niemand etwas gehoert hatte.
die kleinen piraten hatten sich, nachdem sie ihren schatz vergraben hatten,
dazu entschlossen,
erst einmal einige tage auf der insel zu bleiben. sie wollten feststellen,
ob dieses hier auserwaehlte land eine selten besuchte oder eine doch oft heimgesuchte
insel war,
auf der auch andere piraten landeten und so das geheimnis um ihren schatz
gefaehrdeten.
um die sicherheit ihres schatzes und ihrer eigenen person zu garantieren,
holten sie zuerst eine kanone mit einigen kugeln munition von bord ihres schiffes
und stellten diese an den strand.
die kugeln stapelten sie in der naehe der kanone in form einer kleinen pyramide
um jederzeit zur verteidigung des schatzes bereit zu sein.
neben die kugeln und die kanone steckten sie zwei fackeln, die im falle einer
verteidigung schnell angezuendet werden muessten um die kanone zu zuenden.
nach all dieser anstrengenden arbeit setzten sich alle piraten erst einmal
unter eine riesige kokospalme,
die am strand steht, um hier im schatten in ruhe zu essen, zu trinken und
sich auszuruhen.
doch was war das? ein winziges tierchen mit acht klitzeklitzekleinen beinchen
und acht klitzeklitzekleinen schuhen klettert die palme hinauf. ach so. eine
kleine spinne hat sich auf den weiten weg gemacht,
um die palme hinaufzuklettern und genuesslich an einer der kokosnuesse zu
naschen.
aber sie muss wohl warten bis der wind eine kokosnuss von der palme weht
oder eine von alleine herunterfaellt, um sich dann etwas vom saftigen kokosfleisch
abzubeissen
und von der guten kokosmilch zu trinken.
was ist aber wenn eine kokosnuss zwar von der palme faellt aber nicht zerbricht?
na, das duerfte wohl auch keine probleme fuer die kleine spinne geben,
denn am strand sind auch noch kleine krebse,
die die kokosnuss bestimmt mit einer ihrer scheren zerkleinern koennten
und dann zwar selbst das saftige kokosfleisch fressen
und die schmackhafte kokosmilch trinken wuerden,
fuer die spinne aber sicher genug uebrig liessen.
vielleicht koennten sie sie sogar zum essen einladen.
odin kam auf die idee an bord des piratenschiffes zu gehen, um eine piratenflagge
zu holen,
die er am strand in den sand stecken wollte.
neuankoemmlinge sollten schon von weitem sehen,
wer hier mit seinem piratenschiff zuerst gelandet war und wer hier herr am
strand ist.
odin trug die flagge, auf der ein kleiner baer aufgemalt und die an einer
langen stange befestigt ist,
an den strand hinunter und steckte sie in den sand.
da der wind sehr stark blaest,
weht die flagge in voller groesse und man kann von weitem das baerengesicht
auf ihr sehen.
was odin noch gar nicht aufgefallen ist sind die schildkroeten, die ueberall
herumkrabbeln,
spuren im sand zuruecklassen und die bei einbruch der dunkelheit
ihre eier in den von der sonne bei tag erwaermten sand legen.
am strand liegen ueberall von der leichten brandung angespuelte kleine, grosse,
dicke, duenne und lange sowie kurze muscheln die in allen farben leuchten
und sich in allen formen zeigen.
odin gefallen viele dieser muscheln.
er sammelt einige aus dem sand und nimmt sie mit an bord des piratenschiffes
um aus ihnen,
wenn er viel ruhe und zeit hat, eine schoene kette zu machen.
odin hat auch die kleinen, bunten blumen bemerkt, die auf dem felsen oberhalb
der stelle wachsen,
an der sie ihren piratenschatz vergraben haben.
nachdem die piraten einige tage auf ihrer schatzinsel verbracht hatten, beschlossen
sie wieder abzureisen. aber halt, beinahe haetten sie noch vergessen den kleinen
papagei mitzunehmen,
den sie mit an den strand genommen hatten,
um den schatz zu bewachen bevor er vergraben und versteckt war.
der papagei sass die ganze zeit, waehrend sich die piratenbaeren auf der insel
aufhielten,
auf seiner stange und haette bei auch nur dem leisesten geraeusch alarm geschlagen.
niemand, wirklich niemand haette waehrend seiner anwesenheit die geringste
moeglichkeit gehabt,
den schatz zu stehlen.
ploetzlich kam sehr viel wind auf und die piraten setzten schnell die segel
ihres maechtigen schiffes.
einer der piraten kletterte in den ausguck, der weit oben am mast war,
um zu sehen ob irgendwelche hindernisse auf dem weg des schiffes lagen.
nein - es waren weit und breit keine hindernisse zu sehen.
nicht einmal eine haifischflosse ragte aus dem wasser.
alles was die kleinen piraten zu gesicht bekamen,
waren einige meeresschildkroeten die in weiter entfernung auf- und wieder
untertauchten
und lustige delphine, die vor dem bug des schiffes hin und herschwammen.
in weiter entfernung ging nun langsam die sonne unter.
die piraten bereiteten sich auf eine fahrt in der dunkelheit vor, und zuendeten
die schiffslaternen,
neun an der zahl, zur sicherheit schon etwas frueher an.
denn was niemand weiss, einer der piratenbaeren ist schon einmal im dunkeln
ueber ein herumliegendes seil gestolpert und hingefallen.
das gab einen blauen fleck, der mit salbe eingerieben werden musste.